Frische Brötchen am Morgen — und plötzlich ein Notfall hinter der Theke. Was dann passierte, sorgt im ganzen Kiez für Gänsehaut.
Es war kurz nach sieben, als die 79-jährige Helga K. ihre Bestellung an der Theke der Bäckerei „Korn & Krume“ aufgeben wollte. Mitten im Satz sackte sie plötzlich zusammen. Statt zu zögern, sprang Bäckermeister Mateusz Kowal über den Tresen und begann sofort mit der Herzdruckmassage.
„Ich habe einfach gemacht, was wir im Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben“, erzählt der gebürtige Schlesier später. Zwei weitere Kunden riefen den Notruf, eine junge Frau hielt der Bewusstlosen den Kopf. Bis der Rettungswagen eintraf, gewann Helga K. wieder das Bewusstsein.
Heute, vier Wochen später, sitzt die Rentnerin wieder an ihrem Stammtisch in der Bäckerei. Auf dem Tresen steht ein riesiger Blumenstrauß mit der handgeschriebenen Karte: „Danke, Mateusz.“ Die Berliner Feuerwehr hat den jungen Bäcker offiziell für die Lebensretter-Medaille vorgeschlagen.
Die Hintergründe im Detail
Auch wirtschaftlich zeigt der Vorfall Wirkung: Die Schlange vor der Bäckerei reicht morgens jetzt bis um die Ecke. Viele Stammkunden bringen kleine Geschenke. „Wir verkaufen mittlerweile dreimal so viele Brötchen“, sagt Inhaberin Sandra Reuß. Mateusz selbst nimmt den Trubel gelassen — und sammelt heimlich für einen neuen Erste-Hilfe-Kurs im Kiez.
Experten betonen, wie entscheidend die ersten Minuten bei einem Kreislaufstillstand sind. Pro Minute ohne Reanimation sinkt die Überlebenschance um rund zehn Prozent. „Jeder kann das lernen, jeder sollte es können“, appelliert der Notarzt, der Helga K. damals abholte. Eine Botschaft, die in Kreuzberg gerade besonders gut ankommt.
