Was als wissenschaftliches Experiment begann, sorgt jetzt für einen handfesten Aufschrei in der Juristenausbildung.
Das Modell heißt schlicht „Lex 9“ und wurde am Lehrstuhl für Rechtsinformatik der TU München entwickelt. In einem kontrollierten Test bestand es das Zweite Juristische Staatsexamen mit der Note „sehr gut“.
Damit liegt die KI deutlich über dem Durchschnitt der menschlichen Prüflinge. Nur etwa drei Prozent aller Juristen erreichen diese Note. Das Modell verfasste in unter zwei Stunden Klausuren, für die Menschen fünf Stunden brauchen.
In juristischen Fachkreisen löst das eine intensive Debatte aus. „Wir müssen unsere Ausbildung neu denken“, sagt der Präsident des Deutschen Juristen-Fakultätentages. „Was wir heute prüfen, kann eine Maschine besser.“
Die Hintergründe im Detail
Doch es gibt auch Kritik am Test. Anwaltsverbände bemängeln, das Examen prüfe nur Wissen und Klausurtechnik — nicht aber die menschliche Urteilsfähigkeit, die einen guten Juristen ausmache.
Klar ist: Die KI wird die Justiz verändern. Erste Kanzleien setzen bereits Lex-9-ähnliche Systeme für Recherche und Vertragsanalyse ein. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell.